Bericht zu den Veranstaltungen im Rahmen des Projektes „Interaktives oder Mitspieltheater“

Bericht Mitspieltheater 2016 – Helena G.

Bericht zu den Veranstaltungen im Rahmen des Projektes „Interaktives oder Mitspieltheater“

Fûr die Zeit vom 27. November bis 4. Dezember 2016 war die Durchfûhrung des Projektes „Interaktives Kommunikationstheater“ mit der Theatertrainerin und Schauspielerin Helena George  vom Galli-Theater Mûnchen geplant. Aufgrund von klimatischen Gegebenheiten kurz vor dem angesetzten Termin (Hurrikan oberste Warnstufe, Erdbeben- und Warnung Meeresbeben und damit verbundener tagelanger Schliessung des int. Flugverkehrs) hielten wir es fûr richtig, das Projekt auf Anfang 2017 zu verschieben, woraufhin in Absprache mit dem GI Mexico und Frau George das Projekt auf Ende Januar 2017 verlegt wurde.

Theaterspielen hat einen positiven Effekt auf die Persönlichkeitsentwicklung. Das haben sogar schon Schiller und Goethe festgestellt. Durch pantomimische Darstellungen, Standbilder oder komplette Schultheateraufführungen erhält das Theater auch zunehmend Einzug in den Fremdsprachenunterricht.

Durch die Theatererfahrung geht man bewusster mit dem eigenen Körper um, überwindet Auftrittsängste, verhält sich gelassener im sozialen Umfeld und erweitert nicht zuletzt seine sprachbezogenen Kompetenzen.

Es ist der Verdienst der Dramapädagogik, die sich wissenschaftlich und künstlerisch intensiv mit der produktiven Spannung zwischen Theater und Pädagogik auseinandersetzt, dass in der (Fremdsprachen-)Didaktik zunehmend solche ästhetischen Erfahrungsräume entstanden sind.

Solch eine ganzheitliche Sicht liegt einem dramapädagogischen Konzept von Fremdsprachenunterricht zugrunde. Darin wird die dramatische Kunst, auch im Zusammenspiel mit anderen performativen Künsten wie Performance Art, Storytelling, Tanz und Oper zur Inspirationsquelle für das fremdsprachenpädagogische Handeln. Da fremdsprachlicher Unterricht grundsätzlich in allen Zielgruppen, auf allen Sprachlernstufen und in allen Teilbereichen dramapädagogisch gestaltet werden kann, ist eine stärkere künstlerische Orientierung in der Fremdsprachendidaktik zu begrüßen .
In dramapädagogischen Übungen wird zumeist bewegungsgekoppelt gelernt, woraus sich positive Behaltenseffekte ergeben. Zuschauen allein reicht hierbei nicht aus; die Schülerinnen und Schüler müssen selbst aktiv sein.  Nach mehrmaliger Wiederholung der Kombination aus Bewegung und Inhalt, muss die Bewegung nicht mehr ausgeführt werden, weil bereits durch die Erinnerung an die Bewegung der Inhalt aktiviert wird. Besonders deutlich werden die Behaltenseffekte über einen langen Zeitraum.
Inhalt gekoppelt mit Bewegung fördert den Behaltenseffekt.

Demgemäß spielt die Körperlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie die der Schülerinnen und Schüler im inszenatorischen Rahmen des Klassenzimmers eine große Rolle.

Um nochmals an Schiller anzuknüpfen, der die Bedeutung von Phantasietätigkeit für den Menschen besonders hervorhob: Stellen wir uns doch vor, dass in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht mit Kopf, Herz, Hand und Fuß gestalten, dabei ihrer Spontaneität und schöpferischen Kraft vertrauen und so bewirken, dass auf den einfachen Brettern von Seminar- und Klassenräumen (fremde) Welten immer wieder neu entstehen und faszinieren.
In diesem Sinne haben wir zum zweiten Mal Frau George nach Managua eingeladen, die in der Zeit vom 23. bis 28. Januar eine Woche lang tâglich sowohl mit Schûlern der verschiedenen Klassenstufen aus der Primaria und Secundaria, als auch mit den Schûlern/Studenten der ICAN-Deutschkurse arbeitete, um ihnen durch das Vorspielen jeweils eines vorher altersgerecht ausgewâhlten bekannten deutschen Mârchens der Gebrûder Grimm, in das sie die Schûler aktiv mit einbezog und zum Nachsprechen einzelner Sâtze oder zum spontanen Formulieren eigener Gedanken und kreativer Ideen auf Deutsch aufforderte um auf diese Weise des partizipativen Theaterspielens dem Deutschlernen neue Impulse zu verleihen. Ziel war, die Schûler  zum deutlichen und lauten Sprechen zu animieren, der Geschichte zu folgen, durch das Mitspielen ihre geistige und kôrperliche Beweglichkeit zu erhôhen und es konnte besonders bei den Schûlern der Oberstufe  viel Begeisterung und Engagement beobachtet werden und oft taten sich vor allem Schûler hervor, die ansonsten im Unterricht durch Konzentrationsschwierigkeiten auffallen. Insgesamt konnte festgestellt werden, dass die Schûler zu ihrer eigenen Ûberraschung Spielfreudigkeit und ungeahnte Kreativitât an sich selbst entdecken konnten, was zweifelsohne ihrer Persônlichkeitsentwicklung sehr dienlich war (z.B. Ûberwindung von Schûchternheit und szenischer Angst) und sie empfanden die Ûbungen zum flûssigen Sprechen als âusserst wirkungsvoll.

Des weiteren gab Frau George einen auf die DaF-Lehrer und zweisprachiges Kindergartenpersonal zugeschnittenen Intensiv-Workshop, bei dem vielfâltigste Methoden der Einbeziehung verstârkter Kôrpersprache und kreativer Unterrichtshilfen beim Deutschlehren vermittelt werden sollten. Sie ging dabei so direkt auf die von den einzelnen Lehrern geâusserten Fragen bzw. Situationsschilderungen ein, dass alle Teilnehmer am Ende des mehrstûndigen sehr interaktiven und praxisbezogenen Workshops sich sehr dankbar und begeistert àusserten und betonten, dass sie viele neue Impulse fûr eine dynamischere Unterrichtsgestaltung mitnehmen konnten. Somit kann abschliessend eingeschâtzt werden, dass dieses ziemlich kostenaufwendige Projekt sein angepeiltes Ziel erreicht und durchaus eine Bereicherung sowohl fûr Schûler als auch das Lehrpersonal mit sich gebracht hat.

Folgende Aktivitàten wurden durchgefûhrt:

1.   Dienstag, 24.1.2017

 

13.30 Uhr bis 16.00 Uhr:

Workshop mit Dozenten und Kindergartenpersonal der Dt. Schule “Mit Kôrpersprache zum Erfolg – ob wir wollen oder nicht, der Kôrper spricht!”

 

 

2.   Mittwoch, 25.1.2017

11.20 Uhr bis 12.45 Uhr

Auftritt /Màrchenauffûhrung/Mitspieltheater inkl. Workshop mit allen 5.    Klassen-

 

3.   Donnerstag, 26.1.2017

 

9.20 Uhr bis 11.00 Uhr
Auftritt /Mârchenauffûhrung/Mitspieltheater inkl. Workshop mit allen 6. Klassen

11.20 Uhr bis 12.45 Uhr
Auftritt/ Mârchenauffûhrung/Mitspieltheater inkl. Workshop mit allen 7. Klassen

 

4. Freitag, 27.1.

11.20 Uhr bis 12.45 Uhr
Auftritt/ Mârchenauffûhrung/Mitspieltheater inkl. Workshop mit allen 8. Klassen

13.30 Uhr bis 15.00 Uhr
Kommunikations- und Improvisationstheater/Mitspieltheater inkl. Workshop mit allen 10. Klassen

 

Samstag, 28.1.

12.15 Uhr bis 15.30 Uhr
Workshop “Spiel Dich frei – Rollenwechseltraining – Kommunikationstheater
mit Deutschkurs-Teilnehmern (Jugendliche und Erwachsene)

 

Managua, 7. Februar 2017